6 - Ich habe einen teuren Preis bezahlt … PDF Print E-mail

Ein priesterlicher Ordensbruder

Sicherlich finde ich in den Wurzeln meines Verrates, aufgrund welcher ich mich entschieden habe, mich zu  verweltlichen, eine einfache und dramatische Wirklichkeit und ich schäme mich nicht, diese zu beichten.
Die Taubheit dem Gebet gegenüber, sowie dem Bemühen ein wirkliches evangelisches Leben zu verwirklichen, hat meine Seele, meinen Geist und meinen Willen erfüllt.

Ich fühlte gleichzeitig eine eigenartige Form nachtragend jenen gegenüber, die mich einluden, meinen Lebensstil zu ändern.
Auch wenn mich meine Realität traurig und im Innersten unsicher machte, reagierte ich fast immer gereizt dem Ansporn und den Herausforderungen gegenüber, die mich von außen oder innen erreichten. Ich verschloss mich, so als ob ich endgültig entschlossen hätte, in meinem spirituellen Tiefschlaf nicht gestört werden zu wollen.

Obwohl ich von meinem intimsten Mangel an Wahrheit gequält wurde, flüchtete ich vor jedem Vorschlag, jeder sich bietenden Gelegenheit der Besserung in ein noch intensiveres intimes Leben. Obwohl ich der Rettung vor dem Untergang bedurfte, griff ich in verschiedenster Weise all jene an, die in mir irgendeine Art von Anregung zum Guten führten. Heute wüsste ich gut alle intimen Listen zu beschreiben, mit denen ich mich von meinen Pflichten zu entbinden versuchte: die Flucht vor den Beichtvätern und vor den Freunden, die mich nicht in Frieden hätten schlafen lassen; das systematische Unterlassen des Lesens von inspirierten und stimulierenden Büchern; das jahrelange Aussetzen, aus verschiedenen Gründen, der spirituellen Übungen, die mich vielleicht gezwungen hätten, Richtung zu wechseln oder die mir die Teilnahmslosigkeit und die Kompromisse abgeschüttelt hätten.

Jene instinktive und gewissenhafte Sorgfalt alles zu vermeiden, das mir die Augen hätte öffnen können und mich in die Wahrheit hätte eintreten lassen, war ein Verteidigungsmechanismus eines zerbrechlichen Priesters, war der Lebensstil einer Person ohne Identität, die Farce eines zwielichtigen und würdelosen Menschen.

Ich war voll mit inneren Gefühlen des Misstrauens, der Kritik, der Zerstörung der Werte, der kirchlichen und göttlichen Gesetze. Heute merke ich, dass das „Sich rechtfertigen“ mit dem Evangelium in Wahrheit eine Gotteslästerung war und dass die Vorwürfe jenen gegenüber, "die predigen aber nichts tun" in Wahrheit eine engherzige Albernheit war. Dennoch fühlte ich mich nicht in Ordnung, als ich feststellte, dass ich zu viel mit den Gefühlen anderer spielte, dass ich zu viel mit der Achtung der Gläubigen spielte, und dass  ich die Barmherzigkeit der anderen missbrauchte.
Arme Oberen, armer Papst, arme Kirche. Ich warf mit angreifenden und charakteristischen Tönen  eines Priesters, der seine eigene Bequemlichkeit und seine eigene Sünde liebte, um mich. Wie viel ungerechtfertigte Intoleranz den anderen gegenüber, wie viel Ironie und wie viel Groll! Ich beschuldigte auch Gott viel zu hart mit mir ins Gericht zu gehen und viel zu wenig barmherzig zu sein!

Wie kam es zu all dem? Wie konnte dieser Verrat reifen, der aus spiritueller und moralischer Degradierung bis zur Verleumdung Gottes bestand?
Für mich begann alles, als ich aufhörte, zu beten, als ich mich von der Umarmung Gottes löste. Einige Jahre nach der Priesterweihe respektierte ich noch die „materiellen“ Rhythmen des Gebetes, aber mein Herz entfernte sich schon vom Herrn, nahm schon Kontakt mit der Wurzel, die der Person Beständigkeit gibt und eine innere Lösung für jedes Problem findet. Aber jetzt scheint es, das der Herr, der mich zum Gebet wieder zurückgeführt hat, mir die Überraschung geschenkt hat, dass ich mehr Herr wurde über das Tiefste in meinem Herzen.
Hinsichtlich meines Herzens mache ich mir keine falschen Hoffnungen mehr. Ich habe einen teuren Preis gezahlt, ich kann nicht mehr ich selbst sein, ohne die Kraft und den Frieden, die man nur in Ihm findet.

 
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