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"Wenn die Mutter ihren eigenen leiblichen Sohn so liebt und nährt, wie viel mehr muss ein jeder von uns den eigenen geistlichen Bruder lieben und ernähren".
(Hl. Franziskus)
Durch die spirituelle Kraft, die das Leben stärkt, die uns geschenkt wurde und in unserem Innersten wohnt, sind wir miteinander verbunden, mehr noch als ein Sohn mit seiner Mutter. Die Güte des Heiligen Geistes, voll von seiner Zärtlichkeit, macht uns dem Leben unserer Brüder verantwortlich.
Dies gilt für den Heiligen Franziskus ganz besonders in bezug auf die “armen Priester dieser Erde”, unsere Brüder Priester, die sich wegen ihrer persönlichen Zerbrechlichkeit oder des schlechten Gebrauchs ihrer Freiheit, in schwierigen, auch widersprüchlichen Lebenslagen befinden. Hier ist der Heilige Franziskus entschieden: „…in ihnen will ich nicht die Sünde betrachten, weil sie meine Herren sind!...“. Diese unsere Brüder sind das Spiegelbild, Bildnis und Menschwerdung des Herrn Jesus Christus, und nur diese Identität will ich in ihnen betrachten: „in ihnen sehe ich den Sohn Gottes!“
Das evangelische Verhalten und Leben wie ein Lebensprogramm den sich in Schwierigkeiten befindenden Priestern gegenüber ist vor allem: “habe immer Erbarmen mit diesen Brüdern”; das Wort “diesen” ist voll von Mitleid, das Wort “Erbarmen” wieder einmal einladend zu inniger, bedingungsloser Liebe, zu Zärtlichkeit, das Wort “immer” lässt keinen weiteren Einwand zu und – vielleicht – lässt es einen Blick auf jene Priester richten, welche Erbarmen auch im Jenseits brauchen.
In Wahrheit, gibt es Priester, die ihr ganzes Leben lang mit ihren Schwächen kämpfen müssen. Vielleicht hat der Heilige Franziskus gerade an diese gedacht und sie „arme“ genannt.
Andere wiederum müssen mit einem unmöglichen Charakter leben, oder sind unreif was das Gefühls- oder Sexualleben betrifft. Für andere hingegen ist es schwer, ausgeglichen zu sein, wegen tiefer nicht erarbeiteter Konflikte oder Bedürfnisse. Andere gehen vor Langweile unter, sie sehen keinen Sinn zu leben oder gehen eine Glaubenskrise durch. Andere leiden unter den Folgen fehlender Reifeprozesse. Sind sie echte Priester oder nicht?
In vielen von ihnen bleibt die Bewusstheit es zu sein. Viele bemühen sich über ihre Kräfte hinaus, ihr Ministerium wahrzunehmen, das ihnen jedoch keinen Trost mehr spendet. Sie feiern weiterhin die Eucharistie, schenken das Wort, vergeben die Sünden mit großer innerer Einsamkeit, mit viel Angst in der Seele, mit Bitterkeit und täglicher Abscheu. Sind sie echte Priester oder nicht? Sind ihre priesterlichen Gesten effizient oder nicht?
Hat ihr Leidensweg Sinn oder nicht?
Gerade weil sie jeden Tag ihre eigene Schwäche und ihre eigene Ohnmacht auf dem Kreuz (auf)opfern, sind sie das authentische Ebenbild des gekreuzigten Herrn. Und gerade deshalb, so der Heilige Franziskus, benötigen sie unsere Zärtlichkeit.
Die erste Hilfestellung, die wir leisten können, ist, indem wir in uns und untereinander ein unendliches Mitleid ihnen gegenüber empfinden. Heute erscheinen neue beunruhigende Formen der Krise im Presbyterium. Alle Hilfeleistungen sind unangemessen der Nachfrage und den Bedürfnissen. Es ist unbedingt dringend, bei der Liebe und der „überaus mütterlichen“ Liebe zu beginnen, dazu gehört das unaufhörliche und hoffnungsvolle Gebet, aber auch das akute Verständnis, eine sehr respektvolle Aufnahme im Herzen und der beharrliche Dienst.
Wenn du einem “armen” Priester helfen willst, musst du die Fähigkeit erwerben, in dir viel Leid aufzunehmen. Nur so werden die Hilfestellungen, sowie die Gebete, glaubhaft und fruchtbar.
Der sich in Schwierigkeiten befindende Priester braucht einen Ort, wo seine Schwächen leben dürfen, und er hofft dieses Heim im Herzen seiner Brüder zu finden. Der sich in Schwierigkeiten befindende Priester ist wie ein Untergehender, auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Hierzu: Wer hilft uns ein Haus für sie zu verwirklichen?
Und du, um ihm zu helfen, solltest seine Geschichte respektieren, indem du gemeinsam mit ihm den Weg „wie eine Mutter“ gehst, ohne Eile, ohne Urteile, ohne Vor-Verständnisse, ohne Ratschläge, gemäß den langsamen Zeiten des Reifeprozesses der Person und der Güte.
”So musst du wollen und nicht anders…
Und es gebe nicht einen Bruder auf der Welt, der mehr gesündigt hat als er konnte, der, nachdem er deine Augen sah, nicht wieder fortgeht ohne deine Vergebung…“
(Heiliger Franziskus, Brief an einen Minister)
Die Zärtlichkeit Jesus: Das ist unsere Mission! Das ist deine Berufung.
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