Lebenserfahrungen
16 - Der Gott, der mich verlassen hatte
«Der Gott, der mich auf halbem Weg verlassen hat, hätte mich nicht wieder zurückerobert, wenn er vergessen hätte, dass ich jeden Tag Hunger hatte, wenn er vergessen hätte, dass mein Pfarrhaus kalt und feucht war, dass ich meine Kleider zu waschen und die Schuhe vom Schlamm zu putzen hatte. Das war meine zu lebende Krise. Er hat mich überzeugt, weil er sich gehütet hat mir einen guten Jesuiten zu schicken, der mir bei den spirituellen Sitzungen geholfen hätte, weil er sich gehütet hat, mir einen Bischof zu schicken, der mir "brav!" gesagt hätte. Er hat mir hingegen Lina geschickt, zweiundsechzig Jahre des Glaubens und der Nächstenliebe. Meine Konvertierung zum Leben und zu Gott hat mit dieser warmen Suppe begonnen, an die ich mich noch ganz genau erinnere, zubereitet von einer echten Person, die sobald sie kommen konnte, mir still meine Socken stopfte. Wenn sie nicht kommen konnte, schickte sie mir ihre Enkelin mit einem Lächeln und einem frischen Ei».
 
15 - Ich machte immer "dringende" Dinge
Meine Krise? Ich machte immer "dringende" Dinge, nie jene "wichtigen". Ich bin gekommen, weil ich meinem Leben einen Sinn geben wollte. Ich danke euch, weil ihr mir vorgeschlagen habt, es sein zu lassen ... "Es ist besser, den Sinn deines Lebens Gott zu überlassen. Du kannst Fehler machen, Er macht nie falsch. Sorge dich ein gesundes Leben im Geist und im Herzen zu führen. Dein Leben soll ein selbstverständliches Gebet sein. Der Rest ist ein Geschenk, ein Geschenk, das du bekommst, wenn du nicht drängst".
 
14 - Der Dienst ist so entstanden
Am 2. August 1975, am Fest der Engelsmadonna, klopfte ein armer Mann zu Mittag, als die Glocken erklangen, an die Tür des Klosters und bat um Essen. Man sah sehr gut, dass dieser Mann körperlich und seelisch am Boden zerstört war. An den Pförtnerpater sagte er:
«Ich bin ein Bettlerpriester und bin außerdem ein Feigling, weil ich nicht die Kraft habe, es zu beenden. Ich lebe als Bettler und werde unter einer Brücke sterben».
Die Ordensbrüder nahmen ihn auf. Bei der Versammlung der Gemeinschaft erzählte er ihnen von verzweifelten und sündigen Priestern. «Es gibt viele wie mich», sagte er, »es wäre sehr schön etwas für sie tun zu können».
So entstand dieser Dienst. Jener Bettlerpriester brachte ein großes Geschenk mit sich: Gott selbst, der uns seinen Willen offenbarte und mit uns einen neuen Weg der Barmherzigkeit gehen wollte.
 
13 - Meine Last ist dieses Herz

Ich bin wie ein Lastesel, der seinen Kopf unter der Last senkt und der von den Kindern ausgelacht wird. Aber ich bin mir sicher dir am Ende meiner Mühe zu begegnen, so dass mich kein Weg erschreckt. Die noch so falschen Wege werden mich nicht von dieser Hoffnung abbringen. Auch die Wüste des Bösen führt mich zu dir.
Meine Last ist dieses unterdrückte leere Herz.
(Diözesanpriester)

 
12 - Ich blieb an der Tür stehen
Ich bin einem alten, seit vielen Jahren verweltlichten Priester begegnet.
Er hat mir gesagt: "Ich habe immer die Kinder meiner Frau zum Katechismus begleitet, aber bin immer an der Tür stehen geblieben, um das Haus Gottes nicht mit meiner Anwesenheit anzustecken. Von draußen sagte ich: Herr Jesus, erbarme dich meiner. Du weißt, wie sehr ich dich sehen möchte, wie sehr ich dir begegnen möchte, aber ich gehe nicht hinein, weil ich nicht würdig bin".
Ich habe in ihm wieder den Zöllner gesehen,  der „von weitem stehen blieb und nicht einmal die Augen zum Himmel erhob, sondern an seine Brust schlug und sprach: oh Gott, versöhne dich mit mir, ich habe gesündigt" (Lk 18,13) und der  „gerechtfertigt in ihr Haus ging".
(Diözesanpriester)
 

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